Beim Kauf einer Eigentumswohnung erwerben Sie nicht nur Quadratmeter hinter Ihrer Wohnungstür, sondern auch einen Anteil am gesamten Gebäude – inklusive Dach, Fassade, Kellersohle, Steigleitungen und Treppenhaus. Genau dort entstehen im Altbau die großen Kosten. Eine frisch renovierte Wohnung in einem Haus mit undichtem Dach und leerer Rücklage ist der teurere Kauf als eine unsanierte Wohnung in einem gepflegten Objekt. Trennen Sie deshalb konsequent: Was gehört zum Sondereigentum, was zum Gemeinschaftseigentum – und in welchem Zustand ist beides?
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Jetzt einen Gutachter beauftragenFordern Sie diese Dokumente frühzeitig an. Ein Verkäufer oder Makler, der ausweicht oder vertröstet, ist selbst schon ein Warnsignal.
Rechnen Sie die Rücklage in Euro pro Quadratmeter Wohnfläche um. Ein Nachkriegsbau mit 40.000 Euro Rücklage bei 20 Parteien und anstehender Fassadensanierung ist faktisch nicht vorgesorgt – die Differenz kommt als Sonderumlage.
Gebäude vor etwa 1960 haben oft keine funktionierende horizontale Sperrschicht. Anzeichen: Salzausblühungen an Kellerwänden, abplatzender Putz bis in Kniehöhe, muffiger Geruch, frisch gestrichene Sockelbereiche. Nachträgliche Abdichtung ist teuer und betrifft die gesamte Gemeinschaft.
Sie schwingen, sind hellhörig und im Bereich von Bad und Küche anfällig für Feuchteschäden und Hausschwamm. Prüfen Sie, ob früher Nassräume verlegt wurden. Ein deutlich federnder Boden, Risse entlang der Deckenkanten oder schiefe Türzargen sind Hinweise auf Setzungen oder geschwächte Balkenköpfe.
Klassische Warnzeichen: alte Schraubsicherungen statt Leitungsschutzschaltern, kein Fehlerstromschutzschalter (FI/RCD), zwei- statt dreiadrige Leitungen ohne Schutzleiter, nur ein bis zwei Steckdosen pro Zimmer, stoffummantelte Leitungen im Keller. Eine komplette Neuinstallation in einer 80-Quadratmeter-Wohnung ist ein fünfstelliger Posten – plus Stemmarbeiten, Putz und Malerarbeiten.
Wichtig sind Baujahr und Typ des Kessels sowie die Frage, ob ein Zentral- oder Etagensystem vorliegt. Alte Konstanttemperaturkessel unterliegen nach dem Gebäudeenergiegesetz einer Austauschpflicht, und die kommunale Wärmeplanung bestimmt mit, welche Heizung künftig überhaupt zulässig ist. Klären Sie, ob die Gemeinschaft bereits ein Sanierungskonzept hat – oder ob die Entscheidung noch aussteht.
Bei Bauteilen bis Anfang der 1990er Jahre kommen Asbest (Fliesenkleber, Bodenbeläge, Nachtspeicheröfen, Fensterbänke, Dichtschnüre), künstliche Mineralfasern in alten Dämmungen, PCB in Fugenmassen und Holzschutzmittel wie PCP oder Lindan in Frage. Das ist kein Grund vom Kauf abzusehen, verändert aber die Kosten jeder Sanierung erheblich, weil Rückbau und Entsorgung fachgerecht erfolgen müssen.
Einfachverglasung oder Kastenfenster aus den 1980ern, ungedämmte oberste Geschossdecke, Risse in der Fassade, moosbewachsene Dachflächen und alte Blechanschlüsse zeigen den Sanierungsstand. Fragen Sie nach dem letzten Dachcheck und nach dem Zustand der Trink- und Abwasserleitungen im Strang – Bleirohre sind selten, aber nicht ausgestorben.
Ein bautechnischer Kaufcheck durch einen unabhängigen Bausachverständigen kostet meist einen niedrigen vierstelligen Betrag – gemessen am Kaufpreis eine kleine Position, gemessen an einer übersehenen Feuchteschadensanierung oder einer anstehenden Sonderumlage eine sehr gute Investition. Sinnvoll ist er besonders bei Gebäuden vor 1980, bei sichtbaren Rissen oder Feuchtespuren, bei erkennbarem Sanierungsstau der Gemeinschaft und wenn Sie selbst umbauen wollen (tragende Wände, Bad im Obergeschoss, Dachausbau).
Wichtig ist das Timing: Der Termin muss vor der Beurkundung liegen, denn danach ist eine Nachverhandlung praktisch ausgeschlossen. Nehmen Sie den Gutachter zur zweiten Besichtigung mit und legen Sie ihm die Versammlungsprotokolle vor – daraus lassen sich Kostenrisiken für die kommenden fünf bis zehn Jahre oft besser ableiten als aus der Wohnung selbst.
Zum Kaufpreis kommen Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland 3,5 bis 6,5 Prozent), Notar und Grundbuch (rund 1,5 bis 2 Prozent) sowie gegebenenfalls Maklerprovision. Setzen Sie zusätzlich einen realistischen Sanierungspuffer an: für anteilige Gemeinschaftsmaßnahmen aus den Protokollen plus Ihre eigenen Arbeiten in der Wohnung. Wer diese Summe kennt, verhandelt beim Preis mit Argumenten statt mit Bauchgefühl.
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